Mariens Eingreifen im Weltgeschehen
Bezeugte Beispiele aus der Geschichte
“Wo aber Gefahr ist, da wächst das Rettende auch”, so lautet ein Wort Hölderlins. In den folgenden Zeilen soll die große Linie der Marienhilfe aufgezeigt werden, die sich im Lauf der Geschichte offenbart. Maria hat immer dann siegreich in die Geschichte eingegriffen, wenn die bedrohten Nationen, die ihre eigene Schwäche erkannten, sich hilfesuchend an ihre himmlische Mutter wandten.
Ergreifen wir auch heute die Hand der Mutter, die sie uns entgegenhält! Noch ist es nicht zu spät.
1090: Das Sturmgebet der Christenheit
Das Hl. Land mit all den großen Gnadenstätten der Christenheit war von den fanatischen Mohammedanern erobert worden. Urban II. ordnete 1090 an, daß in allen Kirchen der Welt der “ Engel des Herrn ”, der Warn- und Sturmruf der Christenheit in drohender Gefahr, gebetet werde. Er hatte zu den Kreuzzügen aufgefordert, aber er wußte, daß er sich nicht auf die Kraft von Waffen verlassen konnte. Die Gottesmutter mußte helfen. Sie half.…Mehr
Eine einzige Wand nur war stehengeblieben
Es war im Osten. 1939. Vor uns tauchten die Türme und Schlote der Stadt Warschau auf. Was wird uns die Zukunft bringen? Tagelange Märsche in siedender Hitze lagen hinter uns. Wir sehnten uns nach Ruhe und einem schattigen Plätzchen. Aber die Dynamik des Krieges lautet anders - vorwärts, immer vorwärts. Vor uns bellten Maschinengewehre auf, hinter uns brummten die schweren deutschen Koffermaschinen, über uns surrten immerzu die Flieger.
Abends um sechs machten wir halt. Es war eine kleine Stadt, wenige Kilometer vor Warschau. 500 Meter vor uns waren die Polen in einer Waldstellung. Aber das machte auf uns keinen Eindruck mehr. Wir suchten Ruhe - nur Ruhe. Wir schlichen mit 25 Mann in ein gutbürgerliches Haus. In weniger als zehn Minuten hatten wir uns häuslich eingerichtet: Es wurde gebraten, geschmort, gekocht und zuletzt herrlich gespeist. Wir waren wieder munter und guter Dinge. Der eine oder andere hätte am liebsten gesungen, aber das Schnarchen - ein kräftiges Soldatenschnarchen - belehrte sie, daß es Zeit zum Schlafen geworden war. Ich war wohl einer der letzten, die einschliefen.
Plötzlich ein Pfeifen und Surren in der Luft, ein dumpfer Aufschlag, dem eine atemberaubende Explosion folgte; dann noch einmal und ein drittes Mal. Beim letzten Mal waren wir aufgesprungen; wir wußten, jetzt kommt's uns an die Haut. Kaum war dieser Gedanke von einem Kameraden ausgesprochen, heulte es über uns - ein furchtbares Krachen - die Decke brach ein - Explosion - Staub - Splitter - Augen und Mund voll Sand -, so lag ich zwischen Balken, Steinen und zerbrochenen Stühlen, neben mir mein toter Kamerad, der Sani aus Thüringen. Ich rappelte mich heraus und sah, daß vom ganzen Haus nur noch eine einzige Wand stehengeblieben war, eine Ecke, vor der ich gelegen hatte. Eine Ikone hing daran, das Bild der von den Katholiken so sehr verehrten Madonna. Sie hielt einen Rosenkranz in der Hand und blickte den Betrachter des Bildes mit unsäglich sanftem Blick an.
Ich selbst bin evangelisch und von Haus aus ziemlich nüchtern erzogen. Ich habe aber im Feld gemerkt, daß fast alle meine katholischen Kameraden ein Bild von der Mutter Maria bei sich trugen oder einen Rosenkranz, den sie in höchster Not mit großem Vertrauen beteten.
Ich betrachtete das Bild - da kam eine zweite Bombe. Ich merkte instinktiv-sie gilt wieder unserem Bau. Deshalb floh ich in die noch stehengebliebene Ecke, nahm das Bild mit dem Rosenkranz von der Wand zu mir - und schon war es geschehen: Die Bombe explodierte mit entsetzlichem Knall und hatte durch ihre Splitterwirkung drei meiner Kameraden, die sich eben erst aus dem Schutt heraus gearbeitet hatten, getötet. Als ich wieder Atem und Leben bekam und der Staub sich verzogen hatte, stand ich da - immer noch das Bild in der Hand. Ich hätte es nun nicht mehr wegwerfen können; ich wollte es als Andenken an meine glückliche Rettung mit nach Hause nehmen. So steckte ich es in meine Seitentasche und trug es überall bei mir.
Noch in der Nacht gab es Alarm - wir mußten nach vorn. Ein Wiesenstreifen trennte uns 300 Meter vom Feind. Da eröffnete ein Maschinengewehr von drüben den Reigen. Ein Hexensabbat von Maschinengewehrfeuer und Infantriegeschoßen prasselte auf uns hernieder. Es half alles nichts - Kommando ist Kommando -, wir sprangen auf, und voran ging's, immer weiter voran. Am Morgen standen wir unmittelbar vor der Hauptstadt.
Wir bekamen eine kurze Atempause. Weiße Nebelschleier zogen von den weiten Wiesenhalden zur Stadt. Ich tastete nach meinem Bild. Es ließ sich aber nicht gut aus der Tasche herausnehmen. Ich griff tiefer und merkte, daß es dort durch einen Gegenstand, der darin steckte, im Rockfutter festgehalten wurde. Was ist das? Ich staunte. Jetzt erst merkte ich, daß der Rücken des Bildes aus ziemlich starkem Kupfer war und daß eine Kugel , die während des starken Feuers in der vergangenen Nacht wohl nach meinem Herzen getastet hatte, quer in demBild steckengeblieben war . Tiefgerührt betrachtete ich das Bild und steckte es unter Tränen in meine Tasche. -
Nun sind Jahre vergangen. Längst ist der Krieg vorüber, vieles habe ich vergessen. Aber eins kann ich nie wieder vergessen, wie mir das Bild der hl. Jungfrau dasLeben gerettet hat . Ich hatte es mit nach Hause gebracht, hatte meiner Frau und meinen Kindern alles erzählt; alle betrachteten das einfache Bild aus dem fremden Land mit Rührung und Dank, das Bild, das dem Vater und Gatten auf so wunderbare Weise das Leben gerettet hatte. Heute steht es in einer Nische, auf einem Ehrenplatz, und jeden Tag versammelt sich meine Familie mit mir davor. Dort halten wir unsere tägliche Andacht, während die Blumen dabei blühen und die Kerze knistert, oft kommt mir dabei der Gedanke, ob nicht das fromme Gebet eines meiner katholischen Vorfahren, das er mit besonderer Liebe für seine Nachkommen an die Muttergottes gerichtet hat, mir die Lebensrettung erwirkt hat? Warum hat man uns die Marienverehrung genommen?
Saarbrücken, den 22. Nov. 1948. Nach Alfons Dewald
“Eines Tages kam mir ein Gedanke”
Während des letzten Krieges war ich in der Oberaufsicht eines größeren Bahnhofes beschäftigt. Der Chef, ein Amtmann, war ein eingefleischter Parteimann. Ich war, obwohl Beamter, nicht in der Partei. Habe mich immer dagegen gewehrt, was mir aber manche trübe Stunde brachte. Sehr oft mußte ich mir zynische, höhnische Bemerkungen gefallen lassen, auch in Gegenwart anderer. “Der Schwarze, der sich die Knie wund rutscht”, und noch viel gemeinere. Es war oft sehr schwer, dabei ruhig zu bleiben.
Aber eines Tages kam mir ein feiner Gedanke. Der Chef mußte, um in sein Büro zu kommen, durch das meinige. So habe ich in die Türfüllung, also zwischenTürleiste und Mauer, eine Wundertätige Medaille gesteckt. Und eigenartig, vondiesem Tag ab habe ich von dem Chef kein unfreundliches Wort mehr gehört . Er war immer sehr nett zu mir. War dies nicht fast wunderbar?
Ja, der Wert einer “Wundertätigen Medaille” ist unschätzbar, wenn man rechtes Vertrauen hat.
E.K., Inspektor i. R.
Wenn aber trotz allen Vertrauens auf die Medaille unsere irdischen Bitten nicht erhört werden, schenkt Gott in seiner Weisheit Größeres, Besseres. Sein Wille geschehe immer und überall!