Mariens Eingreifen im Weltgeschehen
Bezeugte Beispiele aus der Geschichte“Wo aber Gefahr ist, da wächst das Rettende auch”, so lautet ein Wort Hölderlins. In den folgenden Zeilen soll die große Linie der Marienhilfe aufgezeigt werden, die sich im Lauf der Geschichte offenbart. Maria hat immer dann siegreich in die Geschichte eingegriffen, wenn die bedrohten Nationen, die ihre eigene Schwäche erkannten, sich hilfesuchend an ihre himmlische Mutter wandten.
Ergreifen wir auch heute die Hand der Mutter, die sie uns entgegenhält! Noch ist es nicht zu spät.
1090: Das Sturmgebet der Christenheit
Das Hl. Land mit all den großen Gnadenstätten der Christenheit war von den fanatischen Mohammedanern erobert worden. Urban II. ordnete 1090 an, daß in allen Kirchen der Welt der “ Engel des Herrn ”, der Warn- und Sturmruf der Christenheit in drohender Gefahr, gebetet werde. Er hatte zu den Kreuzzügen aufgefordert, aber er wußte, daß er sich nicht auf die Kraft von Waffen verlassen konnte. Die Gottesmutter mußte helfen. Sie half. Das Hl. Land wurde zurückerobert. 1239 erneuerte Papst Gregor IX. das Gebot und bestimmte, daß der EnglischeGruß beim Klang der Glocke morgens und abends von jedermann auf den Kniengebetet werde . Der Englische Gruß ist das Sturmglockengebet der Christenheit geworden, ein Kreuzfahrergebet, etwas, das man verrichtet, wenn es ums Höchste geht.
1453: Das Abendland in großer Gefahr
Konstantinopel war in die Hände der Türken gefallen, das ganze christliche Abendland war bedroht. Papst Kalixtus III. erkannte die drohende Gefahr. Er wußte, daß es darum ging, die christliche Zivilisation vor dem Untergang zu bewahren. Deshalb forderte er die Gläubigen auf, zu Maria zu rufen, damit sie das Abendland schütze. Er verordnete, daß alle Gläubigen am Mittag beim Klang der Glocke den Gruß des Engels beten sollten.
500 Jahre später. Wieder spricht man vom Untergang des Abendlandes. Der Bolschewismus ist die Weltgefahr geworden. Eine neue “rote” Sintflut droht die moderne Gesellschaft zu überschwemmen. Was ist zu tun? Was man vor 500 Jahren getan hat. Man muß wieder die Sturmglocke läuten. Die Sturmglocke wird geläutet jeden Morgen, jeden Mittag, jeden Abend. Aber das christliche Abendland versteht den Ton der Angelusglocke nicht mehr. Es betet nicht mehr. Das wird zum großen Verhängnis . -
1474: Ein christlicher Herrscher rief zum Gebet
König Ludwig XI. von Frankreich sah den Frieden in seinem Land bedroht. Er forderte in einem Erlaß: “Alle Franzosen, Vornehme wie Gemeine, sollen sichbeim Schlag der Mittagsglocke niederknien , andächtig das Kreuz machen und zu Unserer Lieben Frau um den Frieden beten.” Und es war keiner, der nicht beim ersten Schlag des Englischen Grußes, sei es in den Häusern, sei es auf den Straßen und Feldern, sich auf die Knie warf, um zu beten. Der Friede blieb erhalten. - Die Glocke läutet noch, aber sie findet kein Echo mehr.
1571: Das Rosenkranzgebet entscheidet wichtige Seeschlacht
Schon einmal wollte das Heidentum das christliche Abendland überfluten. Es war im Mittelalter, als die Heerscharen der fanatischen Mohammedaner vor den Toren Europas standen. Schon hatten sie die Insel Cypern, das letzte Bollwerk des Christentums im Osten Europas, besetzt und erschienen nun mit einer gewaltigen Flotte vor der Mündung des Golfes von Patras. Sie, die durch viele erfolgreiche Einfälle nach Südosteuropa frech geworden waren, wollten jetzt ihre barbarischen Eroberungszüge mit dem Niederwerfen Italiens und Spaniens krönen. Damit wären sie zweifellos die Herren Europas geworden. Damals saß ein großer Marienverehrer auf dem Papstthron: Papst Pius V. Er schweißte mit unsäglicher Mühe die Liga gegen den Halbmond zusammen. Er rief Volk und Fürsten von Europa auf zum Rosenkranzgebet. Seine Stimme wurde überall gehört, sein Aufruf befolgt. Die Gläubigen beteten unaufhörlich in den vier Stunden des 7. Okt 1571 , da die Seeschlacht von Lepanto tobte, das Kampfgebet der Christenheit, den Rosenkranz.
Es wurde mit der kleinen christlichen Flotte, von der jedes einzelne Schiff, jede Galeere und Fregatte das Bild und Banner der hl. Jungfrau trug, ein glorreicher Sieg errungen, der zu den entscheidenden Siegen nicht nur der Kirchengeschichte, sondern der Geschichte überhaupt gehört. Er sicherte den Bestand des christlichen Abendlandes und rettete eine Kultur vor dem Untergang. Unter dem Jubel der ganzen Christenheit wurde zur dauernden Erinnerung an diesen Tag das Rosenkranzfest eingeführt . Der Lauretanischen Litanei fügte Papst Pius V. die Anrufung bei: Königin des hl. Rosenkranzes, bitte für uns!
1683: Vor Wien der entscheidende Sieg zu Land
Etwa ein Jahrhundert später, als die Feuer des Dreißigjährigen Krieges kaum erloschen waren und die Massengräber der von der Pest Hinweggerafften sich langsam schlossen, stand die Gefahr aus dem Osten aufs neue auf. Der Schreckensruf durchhallte das ganze Abendland: Die Türken vor Wien ! - Wenn Wien fiel, dann fiel Europa. Und wenn Europa fiel, dann fiel das Christentum in diesem Erdteil genauso, wie es 900 Jahre zuvor in Afrika gefallen war.
Damals rief wiederum ein großer Marienverehrer auf Petri Thron - Papst Innozenz XI. - die ganze damalige christliche Welt zum Rosenkranzgebet auf. Schon lagerten die Türken in großen Scharen vor Wien, zweihunderttausend Mohammedaner, bis auf die Zähne bewaffnet und bereit, entweder Wien zu erobern oder zu sterben. Die ganze christliche zivilisierte Welt schaute damals nach Wien. Und nun, was geschah? Der Polenkönig Johannes Sobieski eilte mit einem Heer nach Wien; die Türken wurden damals am 12. Sept. 1683 vernichtend geschlagen. “Es war mehr ein Sieg des Rosenkranzgebetes als der Waffen.” (Papst Pius XII.)
1716: Ein drittes Mal siegt das Gebet über die Türken
Ein drittes Mal noch wagten es die Türken, das christliche Abendland anzugreifen. Ein drittes Mal bewährte sich das Kampfgebet der Christenheit, der Rosenkranz, gegen diesen hartnäckigen Feind. Der fromme Prinz Eugen, selbst ein großer Beter des Rosenkranzes, den er stets in all seinen Schlachten bei sich trug und vor jedem Kampf andächtig betete, brachte bei Peterwardein im Jahr 1716 den Türken eine derartig vernichtende Niederlage bei, daß sie von da ab ihre räuberischen Einfälle nach Europa unterließen.
Auf diesen Sieg hin wurde das Rosenkranzfest, das schon eingeführt war, auf die ganze Kirche ausgedehnt.
1917: Die Gottesmutter in Fatima
Gegen Ende des ersten Weltkrieges (1914-18) erscheint im Jahr 1917 Maria, die siegreiche Christenhilfe, in Fatima (Portugal) und verspricht den drei Hirtenkindern, das gottlos gewordene Rußland durch die Macht des Rosenkranzgebetes, durch ernste Buße und die Verehrung ihres Unbefleckten Herzens wieder zu Gott zurückzuführen. Es müßten aber genügend Christen ihre königliche Waffe, den Rosenkranz, in die Hand nehmen und ihn täglich beten. Ja, auch ein gottloses Rußland kann und vermag die liebe Gottesmutter wieder mit Christus, ihrem göttlichen Sohn, zu versöhnen.
Maria gibt in Fatima den drei Hirtenkindern die Botschaft über die Bekehrung Rußlands - Gebet und Buße, vor allem das Rosenkranzgebet für die Welt: “Wenn man meine Bitten erfüllt, wird sich Rußland bekehren, und es wird Friede sein. Wenn nicht, wird eine glaubensfeindliche Propaganda in der Welt ihre Irrtümer verbreiten, und sie wird Kriege und Verfolgungen der Kirche hervorrufen. Viele Gute werden gemartert werden; der Hl. Vater wird viel zu leiden haben; mehrere Nationen werden vernichtet werden.”
1920: “Das Wunder an der Weichsel”
Im Jahr 1920 schickte sich die Rote Armee an, in das Herz Europas vorzustoßen. Durch das sogenannte “Wunder an der Weichsel” wurde sie zurückgeschlagen. Die Entscheidung fiel am Fest der Himmelfahrt Mariens. Polens Armee siegte an jenem Tag über die Russen . Maria hatte, wie so oft in der Geschichte, machtvoll eingegriffen, um den russischen Vorstoß zum Stehen zu bringen und das Abendland in letzter Minute zu retten. Im christlichen Polen sprach man vom “Wunder an der Weichsel”.
1955: Österreich wird wieder frei
Nachdem Hunderttausende um den Frieden und die Freiheit gebetet hatten, wurde Osterreich nach zehnjähriger Besatzung frei.
Unser Nachbarland Osterreich war in vier Besatzungszonen und Wien in vier Sektoren geteilt. Zehn Jahre hatte man ergebnislos verhandelt, bis dann auf einmal, plötzlich und völlig unerklärlich, die Russen nachgaben, den Staatsvertrag unterschrieben, Osterreich räumten und damit, was sie bisher noch niemals getan hatten, ein Land, das sie besetzt hielten, wieder aufgaben.
Osterreich weiß, daß es seine Befreiung der Muttergottes zu verdanken hat. Am 13. April 1955 begannen in Moskau die entscheidenden Verhandlungen, am 13. Mai, am ersten Erscheinungstag Mariens in Fatima, war die Entscheidung gefallen: Osterreich erhielt seine Freiheit wieder. Am Schlußtag der neunten Monatsnovene, am 15. Mai 1955, wurde der Staatsvertrag unterzeichnet. Im Rosenkranzmonat zogen die Russen ab. Am 13. Mai 1956 fanden die ersten freien Wahlen in Osterreich statt. - P. Petrus Pavlicek hatte 1947 den Rosenkranzsühnekreuzzug gegründet und so betete man um die Freiheit.
1964: Brasilien vor dem Kommunismus gerettet
Bischof Graber berichtet auf Grund authentischer Unterlagen im Telegrammstil: 1964 in Brasilien Gefahr einer kommunistischen Machtergreifung. Die Regierung schwach, sympathisiert mit den Kommunisten. Heer und Marine bereits durchsetzt und unzuverlässig. Im ganzen Land betet man den Rosenkranz; es beten ihn alle in Palästen und Hütten. Man weiß, was auf dem Spiel steht: Maria möge Brasilien retten!
Am 12. März 1964 ist in der Hauptstadt große kommunistische Versammlung anberaumt. Stundenlang vorher besetzen die Gläubigen den Saal. Der Sekretär des Bischofs beginnt den Rosenkranz zu beten. Tumult. Man will mit Gewalt reden. Aber Frauen werfen Tisch und Pult um. Polizei, Tränengas. Die Versammlung kann nicht gehalten werden. Das hat den siegessicheren Kommunisten das Rückgrat gebrochen. In Säo Paulo entscheidet sich das Schicksal des Landes. Man organisiert eine Prozession und rechnet mit einigen Tausenden Betern. Es kommt eine Million mit dem Rosenkranz . Die Armee geht zum Volk über. Eine Muttergottesstatue, die den Truppen entgegengetragen wird, wird von den Soldaten im Empfang genommen und in die Kirche geleitet.
Die Regierung erklärt ihren Rücktritt. Kein Schuß fällt, kein Blutvergießen, keine Sabotage, keine Sprengung, nichts. Der Luftfahrtminister sagt: “Auf natürliche Weise kann man das nicht erklären.” So hat Maria Brasilien gerettet.
1969: Sieg oder Untergang? Es liegt an uns!
Rufen wir unsere himmlische Mutter, die uns ihre Hilfe angeboten hat? Ergreifen wir die Waffen des Gebetes, besonders des Rosenkranzgebetes? Beten wir für die Bekehrung Rußlands? Wird unser Gebet wirklich zu einem Sturmgebet der Christenheit, das die Kraft hat, eine kampflose Revolution auszulösen, die mit sanfter Gewalt die Welt verwandelt?
Du und ich, wir sind mitverantwortlich. Jeder Mensch, der betet, hat seine Hand am Steuer der Welt. Mutter Gottes, Mutter der ganzen Welt, bitte für uns!
Maria siegt! Das ist der Wille Gottes, daß Maria in dem entfesselten gigantischen Kampf der Geister als Kämpferin und Siegerin auftritt. Sie ist die Königin der Welten. Ihr Königtum soll sich in unseren Tagen sieghaft und herrlich in der Welt offenbaren. - Sie wird siegen, aber nicht ohne uns. Unsere Waffe in diesem Geisteskampf wird der Rosenkranz sein, wie er es in der Vergangenheit war. Wenn wir, ihre Kinder, uns in unserer Ohnmacht mit ihrer Macht verbinden durch die Weihe an ihr Unbeflecktes Herz, dann wird sie siegen. Wenn ihr Leben in den modernen Christen durch opferbereite Nächstenliebe und durch ein tadelloses sittliches Leben von neuem aufleuchtet, dann ist der Sieg des Christentums gewiß.
Bischof Dr. Rudolf Graber sagt mit Recht:
Das Wort der Schrift enthüllt uns heute erst seinen vollen Sinn: Feindschaft will ich setzen zwischen dir, (der Schlange) und dem Weib, zwischen deiner Nachkommenschaft und ihrer Nachkommenschaft, sie wird dir den Kopf zertreten, du aber wirst ihrer Ferse nachstellen” (Gen 3,15). Wer jedoch in solchen Gedanken, wie es leider auch in katholischen Kreisen oft geschieht, die Vorrangstellung Christi gefährdet sieht, der möge sich an das Wort erinnern, daß Gott das Schwache auserwählt hat, um das Starke zu beschämen.
Ist es nicht für den Stolz Luzifers eine größere Verdemütigung, von einer demütigen Jungfrau besiegt zu werden, als vom Kyrios Christus, der sich ohnehin den Endkampf und Endsieg vorbehalten hat, wenn er auf den Wolken des Himmels kommt, die Welt im Feuer zu richten. Jetzt in dieser Zeitlichkeit hat nach dem Heilsplan Gottes Maria, “die Siegerin in allen Schlachten Gottes”, die Kämpf des Gottesreiches zu führen, das immer den Sieg verbürgt. Mögen deshalb alle die Handlanger des Drachens auch ihren Fuß auf den Mond setzen, dieser Mond schwebt trotzdem weiterhin zu Füßen der apokalyptischen Frau!
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