Dechant kritisiert Verbleib des Kopfinger Pfarrers
„Wir als verantwortliche Seelsorger und Seelsorgerinnen und ehrenamtliche MitarbeiterInnen im Leitungsteam des Dekanats Andorf sind von der Entscheidung von Bischof Ludwig Schwarz zur Rücknahme der Entpflichtung von Pfarradministrator Andrzej Skoblicki zutiefst enttäuscht.
In einem längeren Prozess im Vorfeld seiner ersten Entscheidung zur Entpflichtung hat sich Bischof Ludwig Schwarz selbst in einigen Gesprächen mit den Betroffenen in der Pfarre Kopfing ein Bild gemacht, das zur Entscheidung vom 18. September 2011 geführt hat, Pfarradministrator Skoblicki von seinen Aufgaben zu entpflichten. Wir wissen nicht, welche Beweggründe Bischof Schwarz zu einer Revidierung seiner Entscheidung bewogen haben, können aber nur unser Unverständnis darüber ausdrücken.
Schon vor 2 Jahren haben wir als Dekanatsleitung unsere Bedenken bezüglich einer Weiterbestellung von Pfarradministrator Skoblicki übermittelt, haben damals aber leider genauso wenig Gehör gefunden wie in den letzten Tagen, als Bischof Schwarz seine Entscheidung revidiert hat.
Dies führt uns auch zum ersten Beweggrund unseres öffentlichen Auftretens im Rahmen dieser Pressekonferenz.
Wir als Dekanatsleitung tragen in Verbindung mit unserem Dechant Erwin Kalteis die Verantwortung für das pastorale Tun in unserem Dekanat. In den letzten Jahren haben wir sehr viel Zeit und Energie investiert, um die Seelsorge in unserem Dekanat auf eine gute Basis zu stellen (eigene Leitsätze formuliert, Dekanatsprozess gestartet, Dekanatsfeste gefeiert). Die Ereignisse in den letzten Tagen haben uns aber wieder schmerzlich bewusst gemacht, wie wenig Wertschätzung unsere Arbeit durch Bischof Ludwig Schwarz erfährt – sie stellen die pastorale Tätigkeit auf Dekanatsebene grundsätzlich in Frage.
Wir wollen auch unsere Solidarität mit den vielen enttäuschten KatholikInnen in der Pfarre Kopfing bekunden, die sich aufgrund der Aussagen und Versprechen von Bischof Schwarz eine Verbesserung der Pfarrsituation erhofft haben und bereit waren, die Hand zur Versöhnung auszustrecken. Nun sind viele langjährige aktive MitarbeiterInnen der Pfarre Kopfing endgültig enttäuscht und innerlich verletzt. Sie müssen nun – genauso wie wir – wahrnehmen, dass dem Bischof die eigenwillige Spiritualität eines Priesters wichtiger ist als Wohl und Seelenheil einer ganzen Pfarre.
Leider müssen wir eine neue Austrittswelle befürchten.
Wir selbst treten für ein anderes Bild von Kirche ein, als es von Pfarradministrator Skoblicki in Kopfing vertreten wird.
Wir wollen eine einladende Kirche sein, die nach dem Vorbild Jesu Christi allen Menschen bedingungslos dient, die die Brüche der Menschen in ihrem Leben ernst nimmt, die Menschen in ihren Lebenswenden begleitet, die dazu ermutigt, sich und das eigene Leben Gott anzuvertrauen und die die innere Größe und Stärke besitzt, die Vielfalt religiöser Ausdrucksformen auszuhalten, ja zu fördern. Wir stehen für eine Kirche, die die Menschen in den Blick nimmt und ihnen Gottes Heil zuspricht, und sehen uns damit in der Nachfolge der Apostel, die dies zu ihrer Zeit in ihren Worten getan haben, so wie wir das heute in unseren Worten tun.
Wir bedauern zutiefst, dass bei diesen Entwicklungen rund um die Pfarre Kopfing immer wieder verschiedene Wege kirchlichen Lebens gegeneinander ausgespielt werden. Es muss ständig protestiert und demonstriert werden, um Gehör zu finden. Anscheinend werden nur mehr jene wahrgenommen, die am lautesten und eindringlichsten schreien.
Wir finden es schade, dass wir auch auf den medialen Zug aufspringen müssen, aber wir sehen keine andere Chance mehr, unsere Anliegen Bischof Schwarz zu Gehör zu bringen.
Wir wollen besonders jene Menschen nicht aus den Augen verlieren, die am allermeisten von den Entscheidungen des Bischofs betroffen sind: die Mitglieder der Katholischen Kirche in Kopfing. Wir können uns nicht vorstellen, dass durch die Rücknahme der Entpflichtung von Pfarradministrator Skoblicki der bestehende Konflikt auch nur ansatzweise gelöst ist. Um eine endgültige Spaltung der Pfarre Kopfing zu vermeiden und für den Fall, dass eine Neubesetzung nicht unmittelbar möglich ist, fordern wir Bischof Ludwig Schwarz und die Verantwortlichen in der Diözese dazu auf, Begleitmaßnahmen zu setzen, die ein Mehr an Verbindlichkeit haben als die Hoffnung auf den guten Willen der Menschen vor Ort und die eine Lösung des Konflikts direkt zum Ziel haben.
Dazu gehören für uns:
- die Einsetzung eines Mediationsverfahrens, wie es in der Diözese für Konflikte in Pfarren eigentlich üblich ist
- die Bestellung eines erfahrenen pastoralen Begleiters für Pfarradministrator Skoblicki, der ihm in Fragen der Pfarrleitung beratend zur Seite steht
- die Wiederaufnahme des Dialogs mit den NichtbefürworterInnen des Pfarradministrators durch Bischof Ludwig Schwarz persönlich, um diesen deutlicher zu signalisieren, dass sie genauso ein Teil der Kirche sind wie alle anderen ChristInnen in der Diözese Linz
Als Dekanatsleitung tragen wir Verantwortung in unserer Kirche. Darum ist uns der derzeitige Zustand dieser Kirche, der wir uns sehr verbunden fühlen, nicht egal.
Wir ermutigen alle ChristInnen der Katholischen Kirche in Oberösterreich, weiter in ihrer und für ihre Kirche tätig zu sein und am Reich Gottes mitzubauen. Wir vertrauen auf das Wirken des Heiligen Geistes, dass er die Diözese in dieser schwierigen Zeit begleitet und führt.“