Offener Brief an den Kardinal: Fasten-Hungerstreik könnte zu plötzlichem Organ-Versagen führen
Sehr geehrter Herr Kardinal Dr. Schönborn!
Ihr gestriger Artikel in der Zeitung „Heute“ über den „Nationalfeiertag“, in welchem Sie die lange Friedensperiode in Europa loben, hat mich bewogen Ihnen zu schreiben, was aber ohnehin fällig war, da Sie mein letztes Schreiben vom April des Jahres betreffend die von Bischof DDr. Klaus Küng „dringend empfohlene Entflechtung“ der Kirche von der „Aktion Leben“ (nochmals beiliegend) bis jetzt nicht beantwortet haben!
Ich kann nicht glauben, dass Sie nicht doch in Ihrem Herzen die Worte der seligen Mutter Teresa präsent haben wie L’Osservatore Romano hervorhebt:
„Abtreibung bezeichnete Mutter Teresa als ‚den größten Friedenszerstörer heute, [...] denn Abtreibung ist Krieg gegen unschuldige, ungeborene Kinder’“
Wie können Sie da am „National-Feiertag“ unserer sterbenden Nation, die im Jahr 1900 [1], noch aus 92 % Katholiken [2] bestand, die nun auf dem Weg zu einer 5%-Minderheit bei islamischer Mehrheit ist [3], die Ermordung von etwa 3 Millionen ungeborener Kindern [4] „vergessen“?
Gemeinsam mit Bischof Dr. Ägidius J. Zsifkovics haben Sie vom 9. bis 28. Oktober an der Synode über das Thema „Die neue Evangelisierung – Für die Weitergabe des christlichen Glaubens“ im Hinblick auf das, von Papst Benedikt XVI. ausgerufene, kommende „Jahr des Glaubens“ in Rom teilgenommen und wurden sogar in den Rat der Synode gewählt, um deren Zielsetzung, der Neu-Evangelisation, die auf das Engste mit dem Schutz der ungeborenen Kinder verbunden zu sehen ist, von leitender Stelle zum Durchbruch zu verhelfen, was ja an sich, wenn Sie dieses Amt ernst nehmen, wovon ich ausgehe, zu einer Synergie mit meinem Anliegen führen müsste.
Ich nehme auch an, dass Sie Bischof Zsifkovics darüber informiert hat, dass ich seit dem 3. September eine angemeldete Demonstration vor dem Bischofssitz in Eisenstadt durchführe und dabei ein Gebetsfasten nach Jesu Wort: „Diese Art von Dämonen kann nur durch Gebet und Fasten vertrieben werden“ (Mk 9, 29) einhalte.
Wie ist nun aber die Tätigkeit der „Aktion Leben“, welche die „Fristenlösung“ befürwortet, in den Pastoral-Ämtern eine „ergebnisoffene“ Beratung durchführt, die Tötungspille „RU 486/Mifegyne, die Fiala-Klinik in Salzburg und die Fleischmarkt-Klinik in Wien mit den Worten „Wissen’S eh in Wien ist ein Fleischmarkt, da kann man das machen“ empfiehlt, mit dem katholischen Glauben, dessen Vertiefung der Heilige Vater wünscht, vereinbar?
Die Praxis der „Aktion Leben“ in den Pastoral-Ämtern ist es absolut nicht! Dies ist auch in der Papst-Petition „Katholiken Pro Life statt Pro Choice“ (kath-prolife.at) eingehend dokumentiert. Sie wurde bisher von 883 Unterzeichnern befürwortet und kann weiterhin unterstützt werden.
Da die „Aktion Leben“ nicht der Katholischen Lehre entspricht, hat auch Familien-Bischof Dr. Klaus Küng an die Bischöfe appelliert, eine „Entflechtung“ von der „Aktion Leben“ vorzunehmen. Doch die Bischöfe haben diese, von Bischof Küng „dringend empfohlene“ Entflechtung [5], bis jetzt ignoriert!
Sie als Kardinal und Vorsitzender der Österreichischen Bischofs-Konferenz haben diese sündhafte, im Prinzip mit Exkommunikation belegte Kooperation mit Befürwortern der „Fristenlösung“, die auch Beratungs-Bestätigungen ausstellen, welche für subventionierte Abtreibungen in Wiener Spitälern verwendet werden können, offenkundig bis jetzt zugelassen!
Die Generalsekretärin der „Aktion Leben“, Martina Kronthaler, hat in unfassbarer Weise Papst Benedikt XVI., welcher bei seinem Besuch in Wien die „Fristenlösung“ kritisierte sowie den katholischen Glauben und das 5. Gebot: „Du sollst nicht töten!“ wie folgt verhöhnt: „Das Hinterfragen der Fristenlösung führe nur zu ‚altem Lagerdenken’“ (Der Standard, 11. 9. 2007).
Diese in den Pastoral-Ämtern für die Kirche tätige Einrichtung ratet „niemandem zu einem Kind oder gegen ein Kind“, das Post-Abortion-Syndrom wird als eine “Erfindung radikaler Gruppierungen“, Gebets-Vigilien als "kontraproduktiv", die "noch nie" einer Frau geholfen haben und das Zeigen von Fotos oder Modellen ungeborener Kinder als „radikal“ und „Belästigung“ bezeichnet (aktionleben.at).
Die „Aktion Leben“, welche die „Fristenlösungs“- und „Pro-Choice“-Ideologie - die Wahl zwischen Weiterleben und Tötung des Kindes - befürwortet und sich mit einem irreführenden Namen tarnt, ähnlich wie ihr deutsches Pendant, „Donum vitae“ – Geschenk des Lebens – trieb und treibt noch immer in den katholischen Bildungs-Anstalten ihr Unwesen. So hat sie im Wiener Franziskaner-Kloster Ihre Propaganda-Veranstaltung für die Fristenregelung „Lehrgang Lebensschutz-Pädagogik“ ebenso betrieben wie an der „Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Wien-Krems“.
In betont neutraler Sprache heißt es im Werbe-Folder zu dieser Pro-Choice-Schulung betreffend „Modul 3“: „Unerwartet schwanger, Empfängnisregelung“:
„Dieses Seminar informiert über Unterstützungsmöglichkeiten im Prozess der Entscheidungsfindung im Schwangerschaftskonflikt sowie über soziale und ethische Aspekte eines Schwangerschaftsabbruchs, über die unterschiedlichen Abbruchsmethoden und die gesetzlichen Rahmenbedingungen in Österreich“
Dies bedeutet nichts Anderes, als dass auch bei einer Entscheidung zur vorgeburtlichen Kindstötung unterstützend sowie über die Art der Abbruchsmethoden informiert wird!
Die „Pädagogische Hochschule Burgenland“, der Sitz des „Institutes für religiöse Bildung“, führt ebenfalls vom 12. bis 13. April 2013 eine derartige „Fristenlösungs“-Indoktrinierung durch. In einem Schreiben vom 14. Mai 2012 habe ich Bischof Zsifkovics ersucht, diese Pro-Choice-Propaganda abzusagen, worauf dieser mir antwortete, dass er davon „nichts gewusst“ habe und er „der Sache nachgehen“ werde. Trotz mehrerer weiterer Schreiben und dem Ersuchen um ein Gespräch bekam ich keine weitere Antwort. Deshalb führe ich auch in diesem Jahr ein Gebets-Fasten durch. Zudem stellte sich heraus, dass die „Aktion Leben“ ebenfalls am Bischofssitz residiert!
Obwohl meine Hoffnung gering ist, da ich wohl nicht zu einer der Gruppen gehöre, der Sie Ihre Aufmerksamkeit schenken, ersuche ich auch Sie, sehr verehrter Herr Kardinal, um ein Gespräch in dieser Angelegenheit. Ich möchte nämlich die Möglichkeit, mich wieder an den Bruder des Heiligen Vaters, Prälat Dr. Georg Ratzinger, der anlässlich meines letzten Gebetsfastens Kontakt mit dem Papst aufnahm und wohl den Appell von Bischof Küng bewirkt hat, nur als „Ultima Ratio“ nutzen, um den hochbetagten Bruder des Papstes nicht unnötig zu belästigen. Ich warte daher bis zum 1. Adventsonntag, dem 3. Dezember 2012, auf Ihre Antwort, bevor ich mich wieder gezwungen sehe, neuerlich Kontakt mit Prälat Ratzinger aufzunehmen, wobei ich nicht ausschließen kann, bei einem allfälligen Besuch in Regensburg das dortige Krankenhaus aufzusuchen, wenn dies erforderlich sein sollte.
Allerdings habe ich mich mit einem Schreiben vom 27. September 2012 an Präfekt und Erzbischof Dr. Gerhard Ludwig Müller sowie zuvor am 12. September 2012 in diesem Anliegen an Nuntius Erzbischof Dr. Peter Zurbriggen gewandt (beide Schreiben mit Bestätigung der Weiterleitung) beiliegend.
Ich kann Sie, sehr verehrter Herr Kardinal, dessen versichern, dass ich durchaus nicht die Absicht habe, der erste „Märtyrer“ Österreichs für die ungeborenen Kinder zu werden. Zuletzt habe ich 133 Tage gefastet. Wie lange mir diesmal die Gnade des Durchhaltens im Gebets-Fasten mit Gottes Hilfe geschenkt wird, kann ich aber nicht sagen. Die Verantwortung für dieses Fasten-Opfer, das bis jetzt mit einer Gewichts-Reduktion von ca. 15, von 70 auf 55 kg, einherging und seinen Grund in der Mitwirkung der katholischen Kirche Österreichs an der Massenvernichtung der ungeborenen Kinder hat, ist jedoch zwischen der Vertretung der katholischen Kirche Österreichs und mir geteilt und wenn ich auch noch, nach der Erfahrung des letzten Jahres, vielleicht bis Weihnachten oder darüber hinaus, durchhalten könnte, bin ich natürlich nicht gegen ein plötzliches Organ-Versagen gefeit, nach einem nun schon den 52. Tag anhaltenden Gebets-Fasten, das ich, im Falle von Schlechtwetter oder zum Wochenende zu Hause fortsetze, während ich, wenn ich nach Eisenstadt pendle dieses Opfer für die ungeborenen Kinder insofern verschärfe, als ich von 9 Uhr vormittags bis 20 Uhr abends keine Flüssigkeit zu mir nehme.
Ich hoffe, dass Sie diesmal durch die Länge meines Briefes nicht „entmutigt“ werden, wie im Jahr 2004 als ich Ihnen eine 10-seitige Darstellung der „Aktion Leben“ zusandte und vielleicht auch noch den Brief an den Präfekt der Glaubenskongregation, Erzbischof Dr. Gerhard Ludwig Müller vom 27. 9. 2012, zur Vertiefung des Sachverhaltes lesen, den ich Ihnen beilege.
Als historische Reminiszenz darf ich Ihnen vielleicht auch das Schreiben von Kardinal Dr. Franz König vom 28. April 1988 – also vor bald 25 Jahren, als Frucht meiner ersten Kontaktnahme mit einem österreichischen Oberhirten in der Angelegenheit des Lebensrechtes der ungeborenen Kinder zur Kenntnis bringen, das mich doch ziemlich enttäuscht hat sowie die jüngste Titelgeschichte des „13.“ aus meiner Feder.
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[1] In den Grenzen des heutigen Österreich
[2] „ In 1900 about 92% of Austria’s population was Roman-Catholic…” New Times, Old Beliefs:
Projecting the Future Size of Religions in Austria, Anne Goujon, Vegard Skirbekk, Katrin Fliegenschnee, Pawel Strzelecki, Vienna Institute of Demography, 2006, S. 3 - www.oeaw.ac.at/vid/download/WP2006_01.pdf
[3] “If current fertility trends remain constant, Islam could represent the majority religion for those below 15 years of age in 2051. Other religion categories are estimated to constitute 7-12% of the population by 2051.” a.a.O. Abstract, S. 1, . Wenn alle nichtislamischen Religionen gemeinsam auf 7 bis 12% geschätzt werden, kann der katholische Anteil bei etwa 5 % angenommen werden.
[4] Jugend-Zeitschrift der Österreichischen Ärztekammer „Gynnie“, o. J. , S. 15: „Jährlich treiben in Österreich 84.000 Frauen ab! Rechnet man die inoffiziellen Abtreibungen dazu, schätzen Experten, liegt die Zahl sogar bei 200.000 Frauen pro Jahr. Ab 1. 1. 1975 verloren damit rund 3, 1 Millionen Menschen durch die „Fristenlösung“ ihr Leben, lässt man die „inoffiziellen“ Abtreibungen unberücksichtigt.
[5] Schreiben vom 12. März 2012